Anoushka Shankar: Live at Carnegie Hall & Home

Live at Carnegie Hall (2001) ist das dritte Album von Anoushka Shankar (*1981). Wie auch bei ihren beiden Vorgängeralben Anoushka (1998) und Anourag (2000), ist die Musik auf Live at Carnegie Hall von ihrem Vater Ravi Shankar (1920-2012) komponiert. Ihre folgenden vier Alben Rise (2005), Breathing Under Water (2007, zusammen mit Karsh Kale), Traveller (2011) und Traces Of You (2013) sind Mixturen aus elektronischer Musik, Flamenco, Jazz und klassischer indischer Musik. Mit Home (2015) hat sie erstmalig seit 2001 wieder ein Album mit rein klassischer indischer Musik veröffentlicht. Anoushka Shankars aktuelles Album Land Of Gold (2016) vereint Elemente aus klassischem Minimalismus, Jazz, Electronica und klassischen indischen Stilrichtungen.

Inhalt

Live at Carnegie Hall (2001)

Allgemeine Informationen zu Live at Carnegie Hall
Raga Madhuvanti [Titel 1 bis 3]
Raga Desh [Titel 4]
Bhupali Tabla Duet [Titel 5]
Raga Mishra Piloo [Titel 6]

Home (2015)

Allgemeine Informationen zu Home
Guru: Raga Jogeshwari [Titel 1 bis 3]
Celebration: Raga Manj Khamaj [Titel 4]

Live at Carnegie Hall (2001)

Allgemeine Informationen zu Live at Carnegie Hall

Tonträger:

Anoushka Shankar: Live at Carnegie Hall, 1 CD, Angel Records, 2001.

Titel:

01 Introduction [0’29]
02 Raga Madhuvanti: Alap [9’56]
03 Raga Madhuvanti: Gat in Rupak (7-beat) [8’44]
04 Raga Desh [11’54]
05 Bhupali Tabla Duet [10’07]
06 Raga Mishra Piloo [18’57]

Gesamtspieldauer:

60’07

Interpreten:

Anoushkar Shankar (Sitar)
Bikram Ghosh (Tabla)
Tanmoy Bose (Tabla)
Ajay Sharma (Tanpura)
Barry Phillips (Tanpura)
Anthony Karasek (Tanpura)
Natasha Ahmad (Tanpura)

Komponist:

Ravi Shankar

Produzent:

Hans Wendl

Aufnahme:

Carnegie Hall, New York City, 06.10.2000: Titel 1 bis 5
Salisbury Festival, England, 08.06.2001: Titel 6

Veröffentlichung:

05.12.2001

Label:

Angel Records

Raga Madhuvanti [Titel 1 bis 3]

Titel 1 umfasst die Begrüßung und die Ankündigung des folgenden Stückes, Raga Madhuvanti. Titel 2 umfasst den Groß-alap des Raga Madhuvanti, der in die Abschnitte alap, jorh (auch jod genannt) und jhala gegliedert ist: (a) alap, die langsame und meditative Exposition, dauert von 0’00 bis 6’41; (b) jorh, die Verdichtung in Form eines rhythmischen Pulses und allmählicher Temposteigerung, geschieht zwischen 6’41 und 8’22; (c) jhala, die Klimax, beginnt bei 8’22 und endet bei 9’39. Titel 3 umfasst den gat, der im Rhythmus eines rupaktal gespielt wird: Rupaktal ist ein tala, der aus sieben Zählzeiten (matra) besteht und in 3+2+2 Untereinheiten (vibhag oder ang) aufgeteilt ist.

Die aufsteigende Tonleiter (aroh) des Raga Madhuvanti lautet S G M P N S‘, die absteigende (avaroh) lautet S‘ N D P M G R S. Definiert man den Grundton Sa als c‘, so entspricht das folgenden auf- und absteigenden Tonfolgen: c‘ es‘ fis‘ g‘ h‘ c“ und c“ h‘ a‘ g‘ fis‘ es‘ d‘ c‘. Der Raga Madhuvanti wird am späten Abend gespielt. Wahrscheinlich wurde er in den 1920er Jahren von Rao Padhye (Kolhapur) geschaffen und zunächst Ambika genannt.

Raga Desh [Titel 4]

Titel 4, ein Raga Desh, beginnt mit einem kurzen alap [0’00 bis 0’55]. Es folgen zwei gat. Der erste gat [0’55 bis 9’27] wird im mittleren Tempo (madhyalaya) gespielt. Die Tabla steigt bei 0’58 ein und wird im Rhythmus eines jhaptal gespielt, der aus zehn matra besteht und in 2+3+2+3 vibhag aufgeteilt ist. Am Ende der Improvisationen ist ein tihai zu hören, wie zum Beispiel zwischen 3’40 und 3’50: Ein tihai ist eine Art Kadenz, die dreimal wiederholt wird und auf der Eins (sam) endet. Bei 3’55 findet eine Improvisation mit triolischen Figuren statt. Ab 9’27 beginnt der zweite gat, der im schnellen Tempo und im Rhythmus eines tintal gespielt wird, der aus sechzehn matra besteht und in 4+4+4+4 vibhag aufgeteilt ist. Der gat-jhala, der Höhepunkt des Raga, beginnt bei 10’10 und endet mit einem tihai.

Die aufsteigende Tonleiter des Raga Desh lautet S R M P N S‘, die absteigende lautet S‘ N D P M G R S. Definiert man den Grundton Sa als c‘, so entspricht das den Tonfolgen c‘ d‘ f‘ g‘ h‘ c“ und c“ b‘ a‘ g‘ f‘ e‘ d‘ c‘. Die beiden wichtigsten Töne des Raga Desh, Vadi und Samvadi, sind Re und Pa, also die Sekunde und die Quinte. Der Raga Desh gehört in die Regenzeit, in die Zeit des Monsuns und wird in der Nacht zwischen 0 und 3 Uhr gespielt. Seine Stimmung ist Traurigkeit, Trennungsschmerz und Einsamkeit.

Bhupali Tabla Duet [Titel 5]

Titel 5, ein Bhupali Tabla Duet, beginnt mit einem alap [0’00 bis 1’41], auf den drei gat [1’41 bis 4’04, 4’16 bis 6’03 und 6’12 bis 9’22] folgen, die im Rhythmus eines tintal gespielt werden.

Der Raga Bhupali ist einer der bedeutendsten pentatonischen Ragas, die heutzutage gespielt werden. Sein Ursprung kann bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Die aufsteigende Tonleiter des Raga Bhupali lautet S R G P D S‘, die absteigende lautet S‘ D P G R S (‘D S). Definiert man den Grundton Sa als c‘, so entspricht das den Tonfolgen c‘ d‘ e‘ g‘ a‘ c“ und c“ a‘ g‘ e‘ d‘ c‘ (a c‘). Der Raga Bhupali wird zur frühen Nacht, zwischen 21 und 24 Uhr gespielt.

Raga Mishra Piloo [Titel 6]

Titel 6, ein Raga Mishra Piloo, umfasst einen kurzen alap, gefolgt von einem gat im Rhythmus eines tintal und einem zweiten gat, der im Rhythmus eines ektal gespielt wird, welcher aus zwölf matra besteht und in 4+4+2+2 vibhag aufgeteilt ist.

Der Raga Piloo ist ein hochgradig erfinderischer und komplexer Raga. Er ist in der leichten klassischen Musik sehr populär, wird aber nur selten in der Kunstmusik gespielt. Der Raga Piloo umfasst verschiedene auf- und absteigende Skalen. Aufsteigende Skalen können folgende sein: (1) ‘P ‘N S G M P N S‘, (2) ‘N S G M P N S‘, (3) S G M P D S‘ oder (4) S R M P N S‘; absteigende Skalen können folgende sein: (5) S‘ N D P M G M P MG R S ‘N S oder (6) S‘ N S‘ D N D P M G M P D P M G R S ‘N S. Definiert man den Grundton Sa als c‘, so entspricht das den Tonfolgen (1′) g h c‘ es‘ f‘ g‘ h‘ c“, (2′) h c‘ e‘ f‘ g‘ h‘ c“, (3′) c‘ e‘ f‘ g‘ a‘ c“, (4′) c‘ d‘ f‘ g‘ h‘ c“, (5′) c“ b‘ a‘ g‘ f‘ e‘ f‘ g‘ es‘ d‘ c‘ h c‘ und (6′) c“ h‘ c“ a‘ b‘ a‘ g‘ f‘ e‘ f‘ g‘ as‘ g‘ f‘ es‘ d‘ c‘ h c‘.

Home (2015)

Allgemeine Informationen zu Home

Tonträger:

Anoushka Shankar: Home, 1 CD, Deutsche Grammophon, 2015.

Titel:

I. Guru: Raga Jogeshwari

01 1. Alap [11’08]
02 2. Jod, Jhala [10’14]
03 3. Gat in Rupaktaal [15’27]

II. Celebration: Raga Manj Khamaj

04 4. Aochar, Dadra, Teentaal, Coda [18’26]

Gesamtspieldauer:

55’14

Interpreten:

Anoushkar Shankar (Sitar)
Tanmoy Bose (Tabla)
Kenji Ota (Bass & Treble Tanpura)

Komponist:

Anoushka Shankar

Produzent:

Anoushka Shankar

Aufnahme:

Jeevan Music Studio, London, Oktober 2014

Veröffentlichung:

10.07.2015

Label:

Deutsche Grammophon

Guru: Raga Jogeshwari [Titel 1 bis 3]

Titel 1 bis 3 umfassen den alap, jod, jhala und gat des Raga Jogeshwari, der von Ravi Shankar geschaffen wurde und eine Kombination zweier RagasJog und Rageshri – darstellt. Der Raga Jogeshwari hat die Stimmung von Liebe und Pathos. Titel 1 umfasst den langsamen, nichtmetrisierten und ruhigen alap, in dem der Charakter des Raga entfaltet wird. Titel 2 beginnt mit einem jod, in dem ein Puls und Rhythmus eingeführt wird, der sich allmählich zur Klimax im jhala steigert. Titel 3, ein gat im Rhythmus eines rupaktal, ist von Anoushka Shankar komponiert.

Celebration: Raga Manj Khamaj [Titel 4]

Titel 4, der Raga Manj Khamaj, hat eine leichte und romantische Stimmung. Nach einem kurzen alap [0’00 bis 2’08], auch bekannt als aochar, beginnt der erste gat [2’08 bis 9’54] im Rhythmus eines ektal. Langsam steigert sich das Tempo zu einer Klimax im zweiten gat [9’54 bis 15’27], der im Rhythmus eines tintal gespielt wird und ein aufregendes Tabla-Solo [14’42 bis 15’27] gegen Ende enthält. Der Raga endet mit einer kurzen Coda [15’27 bis 18’26] im Rhythmus eines ektal. Der Raga Manj Khamaj ist eine Variation des Raga Khamaj. Er wird vornehmlich in leichteren Genres verwendet und in der Nacht zwischen 0 und 3 Uhr gespielt.