Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur

Sigmund Freud (1856-1939) geht in seiner Abhandlung „Das Unbehagen in der Kultur“ (1930) der Frage nach den Bedingungen möglicher Entfaltung des menschlichen Glücks nach. Hierbei stößt er auf den fundamentalen und letzten Endes unlösbaren Konflikt, der zwischen den Trieben des Menschen und dem durch die Kultur erzwungenen Triebverzicht besteht. Freud argumentiert für die Unmöglichkeit eines vollkommenen Glücks des Menschen, da sowohl die biologische Konstitution des Menschen als auch die Kultur, in der er lebt, notwendig die Glücksmöglichkeiten beschränken, woraus sich das Programm einer resignativen Therapie ableiten lässt, in der es darum geht, die Möglichkeit eines vollkommenen Glücks als Illusion zu erkennen. Insbesondere entpuppt sich die Frage, inwiefern es der Kulturentwicklung gelingen wird, dem menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden, als Schicksalsfrage der Menschheit.

Inhalt

01. Ozeanisches Gefühl und religiöses Bedürfnis (vgl. F, 31-40)
02. Lustprinzip und Religion (vgl. F, 40-51)
03. Kultur und Triebschicksal (vgl. F, 52-64)
04. Liebe und Kultur (vgl. F, 64-71)
05. Aggressionsneigung und Nächstenliebe (vgl. F, 72-80)
06. Eros und Todestrieb (vgl. F, 80-86)
07. Schuldgefühl und Aggression (vgl. F, 86-96)
08. Kulturprozess der Menschheit und Entwicklungsprozess des Einzelnen (vgl. F, 96-108)

Literatur

01. Ozeanisches Gefühl und religiöses Bedürfnis (vgl. F, 31-40)

Freud stellt zu Beginn seines Aufsatzes die Frage, ob das ozeanische Gefühl einer unauflösbaren Verbundenheit mit der Welt, das einige Menschen zu empfinden glauben und als Quelle und Ursprung ihrer Religiosität deuten, psychoanalytisch abgeleitet werden kann (vgl. F, 31-33). Hierbei entwickelt er folgenden Gedankengang: Das Ichgefühl eines erwachsenen Menschen muss eine Entwicklung durchgemacht haben, ausgehend vom Zustand des Säuglings, der noch nicht sein Ich von der Außenwelt abgesondert hat, bis zur differenzierten Anerkennung einer Außenwelt (vgl. F, 33-34). Das Ichgefühl des Erwachsenen ist in diesem Sinne ein eingeschrumpfter Rest eines ursprünglich allumfassenden Gefühls, das einer innigen Verbundenheit des Ichs mit der Umwelt entsprach (vgl. F, 34-35). Dieser Gedankengang wirft zunächst das Problem der Erhaltung im Psychischen auf: Am Beispiel eines Vergleichs der Vergangenheit einer Stadt mit der seelischen Vergangenheit verdeutlicht Freud, dass wir nicht in der Lage sind, die Erhaltung früherer seelischer Zustände und der daraus entwickelten Zustände zu veranschaulichen, obwohl wir davon überzeugt sind, dass das Vergangene im Seelenleben erhalten bleiben kann (vgl. F, 35-38). Wenn wir annehmen, dass das Vergangene im Seelenleben erhalten bleiben kann und die frühe Phase des Ichgefühls ein allumfassendes Gefühl war, können wir zugeben, dass es bei vielen Menschen das oben erwähnte ozeanische Gefühl gibt (vgl. F, 39). Damit stellt sich jedoch die Frage, inwiefern dieses Gefühl den Anspruch erheben kann, als Energiequelle der religiösen Bedürfnisse zu gelten (vgl. F, 39). Für Freud kann dieses Gefühl diesen Anspruch nicht erheben, vielmehr folgt das religiöse Bedürfnis – der Wunsch nach Eins-Sein mit dem All – aus der infantilen Hilflosigkeit und der Angst vor der gefährlichen Außenwelt, während das ozeanische Gefühl der Ausdruck ist, diese Hilflosigkeit und Angst überwinden zu wollen (vgl. F, 39).

02. Lustprinzip und Religion (vgl. F, 40-51)

Im zweiten Abschnitt geht Freud der Frage nach, welche Stellung die infantile Religion des gemeinen Mannes im Repertoire der Linderungsmittel und Techniken der Lebenskunst einnimmt, die uns zur Verfügung stehen, um die drei Leidensquellen unseres Lebens – die Übermacht der Natur, die Hinfälligkeit unseres Körpers und die Unzulänglichkeit der sozialen Institutionen – in ihrer Macht über unser Schicksal zurückzudrängen (vgl. F, 41-43). Die Linderungsmittel unterteilt Freud in drei Kategorien: (a) Ablenkungen, die unser Elend gering schätzen lassen, (b) Ersatzbefriedigungen, die unser Elend verringern und (c) Rauschstoffe, die uns für unser Elend unempfindlich machen (vgl. F, 41). Es liegt nahe, die Frage nach der Stellung der Religion in Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Zweck des Lebens zu stellen, jedoch schlägt Freud einen pragmatischen Weg ein, indem er den Blick auf das Programm des Lustprinzips richtet, dem sich die Menschen faktisch unterwerfen (vgl. F, 41-42). Diesem Programm eines rigorosen Strebens nach Lust weicht jedoch in aller Regel das entschärfte Programm des Realitätsprinzips, das in einer Vermeidung von Schmerz, Leid und Unlust besteht. Freuds kurze Analyse der vielfältigen Glücksbestrebungen des Menschen zeigt, dass wir auf keinem dieser Wege alles erreichen, was wir begehren (vgl. F, 50). In Glücksfragen kann es daher keinen Rat geben, der für alle taugt: „[E]in jeder muß selbst versuchen, auf welche besondere Fasson er selig werden kann.“ (F, 50.) Die Religion erscheint vor diesem Hintergrund als einer von vielen Wegen, die bis zu jenem Glück führen können, wie es dem Menschen erlaubt ist, jedoch gibt sie vor, der allein seligmachende Weg zu sein (vgl. F, 51): „Wenn der Gläubige sich endlich genötigt findet, von Gottes »unerforschlichem Ratschluß« zu reden, so gesteht er damit ein, daß ihm als letzte Trostmöglichkeit und Lustquelle im Leiden nur die bedingungslose Unterwerfung übriggeblieben ist. Und wenn er zu dieser bereit ist, hätte er sich wahrscheinlich den Umweg ersparen können.“ (F, 51.)

03. Kultur und Triebschicksal (vgl. F, 52-64)

Im dritten Abschnitt wendet sich Freud der sozialen Leidensquelle zu, wie sie sich insbesondere in einem Unwohlsein in unserer Kultur und einer entsprechenden Kulturfeindlichkeit zeigt, indem er zunächst das Wesen und die Anforderungen der Kultur genauer in Betracht zieht und anschließend den Einfluss der Kultur auf die menschlichen Triebanlagen aufzeigt. Freuds Verdacht lautet, dass hinter der sozialen Leidensquelle unsere psychische Beschaffenheit steht, die ein Stück unbesiegbare Natur darstellt, wie es auch für die beiden anderen Leidensquellen des Körpers und der äußeren Natur gilt (vgl. F, 52). Zwei Momente der Enttäuschung nennt Freud im Zusammenhang mit dem Zweifel am Glückswert der Kultur: (1) Man hat beobachtet, dass der Mensch das Maß an Versagung, das ihm die Kultur abverlangt, nicht ertragen kann, weshalb er neurotisch wird, (2) man musste anerkennen, dass der technische Fortschritt keine hinreichende Bedingung für das Menschenglück ist (vgl. F, 53-54). Die Wesenszüge und Anforderungen der Kultur beschreibt Freud mit den folgenden fünf Punkten: (1) Beherrschung der Naturkräfte und Nützlichkeit: Als kulturell gelten alle Tätigkeiten und Werte, die dem Menschen nützen, indem sie ihm die Erde untertan machen und ihn gegen die Gewalt der Naturkräfte schützen (vgl. F, 56-58). (2) Schönheit: Wir fordern von einem Kulturmenschen, dass er die Schönheit verehrt (vgl. F, 58). (3) Reinlichkeit und Ordnung: Der Gebrauch von Seife und die Herstellung von Ordnung und Regelmäßigkeit gelten als direkte Kulturmesser (vgl. F, 58-59). (4) Intellektuelle, wissenschaftliche und künstlerische Leistungen: Kultur zeichnet sich durch die Schätzung und Pflege der höheren psychischen Tätigkeiten aus (vgl. F, 60). (5) Gerechte Regelung der sozialen Beziehungen: Eine Kultur zeichnet sich durch den Anspruch aus, das menschliche Zusammenleben in gerechter Weise zu regeln (vgl. F, 60-61). In allen diesen Punkten wird deutlich, dass die Kultur Einfluss auf die menschlichen Triebanlagen und -ziele nimmt, indem sie (a) die Triebe aufzehrt, so dass an deren Stelle etwas auftritt, was beim Einzelindividuum als Charaktereigenschaft beschrieben wird, z.B. als Analcharakter (vgl. F, 62-63), (b) die Sublimierung der Triebe erzwingt oder (c) eine Nichtbefriedigung der Triebe in Form von Unterdrückung und Verdrängung abverlangt (vgl. F, 63).

04. Liebe und Kultur (vgl. F, 64-71)

Im vierten Abschnitt geht Freud der Frage nach, unter welchen Einflüssen die Kultur, d. h. die Organisation des menschlichen Zusammenlebens, entstanden ist und wie sie sich weiterentwickelt hat. Er nennt zwei Faktoren, die das menschliche Zusammenleben begründet haben: (1) „den Zwang zur Arbeit, den die äußere Not schuf“ (F, 66) und (2) „die Macht der Liebe, die von Seiten des Mannes das Sexualobjekt im Weibe, von Seiten des Weibes das von ihr abgelöste Teilstück des Kindes nicht entbehren wollte.“ (F, 66.) Im nächsten Schritt diskutiert Freud das Verhältnis der Liebe zur Kultur. Hierfür unterscheidet er zunächst die vollsinnliche Liebe, die nach direkter sexueller Befriedigung strebt, von der zielgehemmten Liebe, die „sich von der Zustimmung des Objekts unabhängig [macht], indem sie den Hauptwert vom Geliebtwerden auf das eigene Lieben [verschiebt]“ (F, 67). Während die vollsinnliche Liebe aus leicht erdenklichen Gründen zu stärksten Leiden führen kann, gilt die zielgehemmte Liebe gemeinhin als höchste Einstellung, zu der sich ein Mensch erheben kann (vgl. F, 66-67). Freud nennt jedoch zwei Einwände gegen diese hohe Auffassung von der zielgehemmten Liebe: (1) „Eine Liebe, die nicht auswählt, scheint uns einen Teil ihres eigenen Wertes einzubüßen, indem sie an dem Objekt ein Unrecht tut.“ (F, 67.) (2) „Es sind nicht alle Menschen liebenswert.“ (F, 67.) Das Verhältnis von Liebe und Kultur äußert sich Freud zufolge in folgenden Konflikten: (1) Das Verhältnis zwischen Familie und der größeren Gemeinschaft ist letztlich ein Konflikt zwischen der Kultur, die danach strebt, Menschen zu größeren Einheiten zusammenzufassen und der Familie, die das Individuum nicht freigeben will (vgl. F, 68). (2) Ferner äußert sich Freud zufolge das Verhältnis von Liebe und Kultur im Konflikt zwischen der Frau, die die Interessen der Familie und des Sexuallebens vertritt und dem Mann, der sich den Frauen und dem Sexualleben in dem Maße entzieht, wie er für kulturelle Zwecke tätig ist (vgl. F, 68-69). (3) Ein weiterer Konflikt zeigt sich in einer rigorosen Einschränkung des Sexuallebens auf die hetereosexuelle genitale Liebe in einer Einehe, wobei sich hier die Kulturgesellschaft genötigt sieht, stillschweigend die Überschreitungen zuzulassen (vgl. F, 69-70).

05. Aggressionsneigung und Nächstenliebe (vgl. F, 72-80)

Die Überlegungen des vierten Abschnitts haben gezeigt, dass uns die Kultur ein großes Opfer an Sexualbefriedigung abverlangt und darauf drängt, die Individuen in Form einer zielgehemmten Liebe aneinander zu binden, „um die Gemeinschaftsbande durch Freundschaftsbeziehungen zu kräftigen.“ (F, 73.). Zunächst ist es jedoch unklar, weshalb uns die Kultur auf diesen Weg drängt, schließlich könnte man sich eine Kulturgemeinschaft vorstellen, die aus libidinös gesättigten Doppelindividuen besteht, welche „durch das Band der Arbeits- und Interessengemeinschaft miteinander verknüpft sind.“ (F, 73.) Der Grund dafür, dass uns die Kultur zu zielgehemmten Liebesbeziehungen antreibt, unser Sexualleben einschränkt und uns auffordert, den Nächsten so zu lieben wie uns selbst, liegt in der Existenz der Aggressionsneigung des Menschen, womit gemeint ist, dass dem Menschen „der Nächste nicht nur möglicher Helfer und Sexualobjekt [ist], sondern auch eine Versuchung, seine Aggression an ihm zu befriedigen, seine Arbeitskraft ohne Entschädigung auszunützen, ihn ohne seine Einwilligung sexuell zu gebrauchen, sich in den Besitz seiner Gabe zu setzen, ihn zu demütigen, ihm Schmerzen zu bereiten, zu martern und zu töten.“ (F, 76.) Gegen diese triebhaft aggressiven Leidenschaften ist das vernünftige Interesse der Arbeitsgemeinschaft nicht stark genug, so dass die Kultur alles aufbieten muss, um den Aggressionstrieb des Menschen einzuschränken (vgl. F, 76). Freud begründet also das Unbehagen in der Kultur nicht allein mit dem abverlangten Opfer an Sexualbefriedigung, sondern auch mit der Einschränkung der Aggressionsneigung des Menschen in Form des Idealgebotes der Nächstenliebe (vgl. F, 79).

06. Eros und Todestrieb (vgl. F, 80-86)

Im sechsten Abschnitt geht Freud ausführlicher auf die Trieblehre ein, insbesondere auf die Gründe, die ihn dazu brachten, neben dem Eros einen Todes- bzw. Destruktionstrieb einzuführen, dessen Abkömmling und Hauptvertreter der Aggressionstrieb ist. Mit Hilfe dieser beiden Triebe charakterisiert Freud die Kulturentwicklung als „Kampf zwischen Eros und Tod, Lebenstrieb und Destruktionstrieb“ (F, 85): Das Programm der Kultur ist das Werk des Eros, dem sich der natürliche Aggressionstrieb des Menschen widersetzt.

07. Schuldgefühl und Aggression (vgl. F, 86-96)

Im siebten Abschnitt beschäftigt sich Freud mit der wichtigsten Methode, deren sich die Kultur bedient, um die ihr entgegenstehende Aggression zu hemmen, unschädlich zu machen oder gar auszuschalten (vgl. F, 86): „Die Aggression wird introjiziert, verinnerlicht, eigentlich aber dorthin zurückgeschickt, woher sie gekommen ist, also gegen das eigene Ich gewendet. Dort wird sie von einem Anteil des Ichs übernommen, das sich als Über-Ich dem übrigen entgegenstellt und nun als »Gewissen« gegen das Ich dieselbe strenge Aggressionsbereitschaft ausübt, die das Ich gerne an anderen, fremden Individuen befriedigt hätte.“ (F, 86-87.) Die Aggressionslust des Individuums wird also durch die Kultur bewältigt, indem das Individuum durch eine Instanz in seinem Inneren überwacht wird, „wie durch eine Besatzung in der eroberten Stadt“ (F, 87): Der Prozess der Kultivierung der Aggression stellt kein Verschwinden der Aggression dar, sondern eine Umformung, bei der die ursprünglich nach außen gerichtete Aggression des Einzelnen in dessen inneres psychisches Leben verlagert wird. Dieser Vorgang vollzieht sich beim Kind im Rahmen zweier Entwicklungsstufen: (1) Zunächst leistet das Kind einen Triebverzicht allein aufgrund seiner Angst vor dem Liebesverlust bzw. der Aggression einer äußeren Autorität: Auf dieser Stufe empfindet das Individuum nur dann ein Schuldgefühl, wenn es ertappt und bestraft wird (vgl. F, 87-88). (2) Auf der zweiten Entwicklungsstufe wird die Autorität durch Aufrichtung eines Über-Ichs verinnerlicht, was zur Folge hat, das – im Gegensatz zur ersten Entwicklungsstufe – ein Triebverzicht keine befreiende Wirkung mehr hat, weil der dahinter stehende verbotene Wunsch dem Über-Ich nicht verborgen bleibt, so dass man eine permanente Angst vor dem Über-Ich hat, d. h. ein andauerndes Schuldgefühl empfindet und ein Strafbedürfnis entwickelt, was sich um so stärker ausprägt, je tugendhafter ein Mensch wird (vgl. F, 88-90). Die ursprüngliche Strenge des Über-Ichs entspricht nicht notwendig der Strenge der äußeren Autorität, da es sich bei der ursprünglichen Aggression des Über-Ichs um die gehemmte Aggression des Kindes handelt, die es gegenüber der äußeren Autorität gern ausüben würde (vgl. F, 92-93). Zweifellos ist diese Aggression aber wiederum von der Erziehung abhängig (vgl. F, 93).

08. Kulturprozess der Menschheit und Entwicklungsprozess des Einzelnen (vgl. F, 96-108)

Im letzten Abschnitt betont Freud, dass es die Absicht seiner Abhandlung ist, das Schuldgefühl als das wichtigste Problem der Kulturentwicklung herauszustellen und „darzutun, daß der Preis für den Kulturfortschritt in der Glückseinbuße durch die Erhöhung des Schuldgefühls bezahlt wird.“ (F, 97.) In den abschließenden Überlegungen diskutiert Freud einige Analogien zwischen dem Kulturprozess der Menschheit und dem Entwicklungsprozess des Einzelnen, die er beide als einen Kampf zwischen Eros und Todestrieb charakterisiert (vgl. F, 101-108). Unter anderem stellt er die These auf, dass in Analogie zum Über-Ich des Einzelnen auf der Ebene der Kultur ein Kultur-Über-Ich existiert, das seinen Ausdruck zum Beispiel in der Aufforderung zur Nächstenliebe findet (vgl. F, 104-106). Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist Freud zufolge jedoch ein Beispiel für das unpsychologische Vorgehen des Kultur-Über-Ichs, da es sich nicht um die Tatsachen der seelischen Konstitution des Menschen kümmert und Gebote erlässt, ohne sich zu fragen, ob es dem Menschen möglich ist, diese Gebote zu befolgen (vgl. F, 105-106). Ob diese Analogien eine einstige Pathologie und Therapie der kulturellen Gemeinschaft versprechen, bleibt offen, doch betont Freud, dass die Schicksalsfrage der Menschheit darin besteht, „ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.“ (F, 108.)

Literatur

  • Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2. Auflage, 2010 [F].