W. G. Sebald: Die Ringe des Saturn: Eine englische Wallfahrt

W. G. Sebalds Prosawerk „Die Ringe des Saturn“, das im Jahr 1995 erschienen ist, hat die Form eines Reiseberichts, in dem der Ich-Erzähler seine im August 1992 unternommene Fußwanderung durch die ostenglische Marsch- und Heidelandschaft der Grafschaft Suffolk dokumentiert. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um einen gewöhnlichen Reisebericht, da der Erzähler nicht allein eine Schilderung seiner Eindrücke von Suffolk wiedergibt, sondern in stets überraschender Weise zu geschichtlichen, biografischen, erzählerischen, essayistischen und autobiografischen Diskursen übergeht, die in ihrer Summe eine Verfalls- und Zerstörungsgeschichte der Kultur und Natur bilden.

Inhalt

Epigraphe (vgl. S, 9)
Erster Teil (vgl. S, 11-39)
Zweiter Teil (vgl. S, 41-65)
Dritter Teil (vgl. S, 67-91)
Vierter Teil (vgl. S, 93-123)
Fünfter Teil (vgl. S, 125-163)
Sechster Teil (vgl. S, 165-199)
Siebter Teil (vgl. S, 201-228)
Achter Teil (vgl. S, 229-283)
Neunter Teil (vgl. S, 285-319)
Zehnter Teil (vgl. S, 321-351)

Literatur

Epigraphe (vgl. S, 9)

Das Zitat von John Milton (1608-1674) „Good and evil we know in the field of this world grow up together almost inseparably“ entstammt nicht, wie fälschlich angegeben, seinem Werk „Paradise Lost“, sondern seinem Pamphlet „Areopagitica“. Joseph Conrads Zitat entstammt einem Brief vom 23. März 1890, den er an Marguerite Poradowska schrieb. Der zitierte Brockhaus-Eintrag zu den Ringen des Saturn erwähnt die von Édouard Albert Roche formulierte Theorie, wonach die Ringe durch einen Mond entstanden, der sich dem Saturn so weit näherte, dass er aufgrund der Gezeitenkräfte auseinanderbrach. Im übertragenen Sinn handelt es sich bei den Bruchstücken eines früheren Mondes um die Menschen, Tiere, Häuser, Ortschaften und Landschaften, denen der Erzähler bei seiner Wanderung durch die Grafschaft Suffolk real, nachsinnend und träumend begegnet.

Erster Teil (vgl. S, 11-39)

Im Spital: Der Erzähler berichtet, dass er sich im August 1992 auf eine Fußreise durch die ostenglische Grafschaft Suffolk machte, in der Hoffnung, einer sich ausbreitenden Leere entkommen zu können, die ihn nach Abschluss einer größeren Arbeit zu befallen drohte (vgl. S, 11). Mit der Niederschrift der nachstehenden Seiten begann der Erzähler genau ein Jahr später, als er in das Spital der Provinzhauptstadt Norwich eingeliefert wurde (vgl. S, 12-14). Der Beginn der Reinschrift dieser Seiten erfolgte wiederum mehr als ein Jahr nach der Entlassung aus dem Spital und markiert im Roman den Zeitpunkt der Gegenwart (vgl. S, 14). Im letzten Kapitel nennt der Erzähler den 13. April 1995 als Datum, an dem er seine Niederschriften zum Abschlusses bringt (vgl. S, 348). – Nachruf: Auf die einleitenden Worte folgt ein Nachruf auf Michael Henry Parkinson (1945-1994), der in den letzten Jahren seines Lebens an einer Studie über Charles-Ferdinand Ramuz arbeitete (vgl. S, 14-16). Ein weiterer Nachruf ist Janine Rosalind Dakyns (1939-1994) gewidmet, die sich intensiv mit Gustave Flaubert beschäftigte (vgl. S, 16-19). – Thomas Browne: Bei den nun folgenden Themen des ersten Kapitels handelt es sich überwiegend um Auseinandersetzungen mit Thomas Browne, einem Philosophen, Dichter und Arzt im 17. Jahrhundert, über den der Erzähler nach seinem Krankenhausaufenthalt Nachforschungen betrieb. So schildert der Erzähler die Irrfahrt des Schädels von Thomas Browne (vgl. S, 19-21). Darauf folgt die Diskussion einer anatomischen Vorlesung des Dr. Nicolaas Tulp, die von Rembrandt porträtiert wurde (vgl. S, 21-27) und ein Vergleich der Lektüre von Thomas Brownes Prosa mit dem Erlebnis einer Levitation (vgl. S, 28-30). Des Weiteren werden folgende Gegenstände diskutiert: der Quincunx als wiederkehrendes Muster, das Thomas Browne überall an der lebendigen und toten Materie zu entdecken glaubte (vgl. S, 31-33), Thomas Brownes Faszination für Fabelwesen (vgl. S, 33-35) und abschließend die Feuerbestattung und Thomas Brownes Untersuchungen über Urnengefäße, die damals in der Nähe des Wallfahrtsortes Walsingham in Norfolk aufgefunden wurden (vgl. S, 36-39).

Zweiter Teil (vgl. S, 41-65)

Der Dieseltriebwagen: Der Erzähler schildert, wie er im August 1992 mit einem Dieseltriebwagen, der damals zwischen Norwich und Lowestoft verkehrte, an die Küste fuhr (vgl. S, 41-43). – Morton Petos Palast: An der zum Landschloss Somerleyton gehörenden Station steigt der Erzähler aus und beschreibt, wie Morton Peto einen neuen Palast in Somerleyton baute (vgl. S, 43-48). – Als Besucher in Somerleyton: Auf die träumerische Schilderung von Petos Palast folgt die Beschreibung des Palastes, wie er sich dem heutigen Besucher zeigt (vgl. S, 48-52). – Die deutschen Städte in Flammen: In einem der Gewächshäuser trifft der Erzähler William Hazel, den Gärtner von Somerleyton, der von den Bombengeschwadern berichtet, die im zweiten Weltkrieg über Somerleyton hinweg nach Deutschland zogen (vgl. S, 52-55). – Der Niedergang von Lowestoft: Nach dem Gespräch mit William Hazel macht sich der Erzähler auf den Weg nach Lowestoft, wo er im Hotel Victoria übernachtet und ein Fischgericht zum Abendessen bestellt, dessen Verzehr der Erzähler in humoristischer Weise beschreibt, indem er einen scharfen Kontrast zwischen seiner metaphysischen und melancholischen Wahrnehmung einerseits und der Banalität des Abendessens andererseits erzeugt (vgl. S, 55-59). – Kannitverstan: Am nächsten Morgen sieht der Erzähler am Zentralbahnhof von Lowestoft einen Leichenwagen, der in ihm die Erinnerung an die von Johann Peter Hebel geschriebene Kalendergeschichte „Kannitverstan“ wachruft (vgl. S, 59-61). – Das Seebad von einst: Der Erzähler erwähnt, dass Lowestoft einst als Badeplatz von Renommee galt (vgl. S, 61-62). – Frederick Farrar und der kleine Hof Jakobs des Zweiten: Abschließend berichtet der Erzähler, dass sein vor wenigen Monaten verstorbener Nachbar Frederick Farrar in Lowestoft zur Welt kam und ihm einiges über diesen Ort und seine Familie erzählte, die ihm in der Erinnerung wie der kleine Hof Jakobs des Zweiten vorkäme (vgl. S, 62-56).

Dritter Teil (vgl. S, 67-91)

Strandfischer: An der Küste bei Lowestoft finden sich das ganze Jahr über zu jeder Tages- und Nachtzeit Angler, von denen der Erzähler glaubt, dass sie sich an diesem Ort aufhalten, weil sie dort die Welt hinter sich haben und voraus nichts mehr als Leere (vgl. S, 67-70). – Zur Naturgeschichte des Herings: Mit Bezug auf einen 1936 gedrehten Film und einer im Jahr 1857 erschienenen Naturgeschichte der Nordsee geht der Erzähler auf das Thema der Heringsfischerei ein (vgl. S, 70-77). – George Wyndham Le Strange: Am Brackwassersee Benacre Broad, der zwischen Lowestoft und Southwold liegt, erinnert sich der Erzähler an einen Artikel über den verstorbenen George Wyndham Le Strange, der dem Artikel zufolge im Herrenhaus von Henstead jenseits des Brackwassersees lebte und dem Panzerregiment gedient habe, das am 14. April 1945 das Konzentrationslager Bergen-Belsen befreite (vgl. S, 77-83). – Eine große Herde Säue: Eine Viertelstunde südlich von Benacre Broad trifft der Erzähler auf eine an die hundert Stück zählende Schweineherde und fühlt sich an die Geschichte erinnert, die der heilige Evangelist Markus aus der Gegend der Gadarener erzählt (Mk 5,1-20) (vgl. S, 83-86). – Die Verdoppelung des Menschen: Bei der Beobachtung von Schwalben vom Rand einer Klippe von Covehithe sieht der Erzähler ein Menschenpaar am Uferstrand, das ihm wie ein blasses Seeungeheuer erscheint (vgl. S, 87-89). – Orbis Tertius: Abschließend geht der Erzähler auf die 1940 in Salto Oriental in Argentinien von Jorge Luis Borges verfasste Schrift „Tlön, Uqbar, Orbis Tertius“ ein, die sich mit unseren Versuchen zur Erfindung von Welten zweiten oder gar dritten Grades auseinandersetzt (vgl. S, 89-91).

Vierter Teil (vgl. S, 93-123)

Die Seeschlacht von Sole Bay: Beim Abendspaziergang durch Southwold fühlt sich der Erzähler wie in einem leeren Theater, in welchem in jedem Moment die Seeschlacht von Sole Bay aufgeführt werden könnte (vgl. S, 93-97). – Einfall der Nacht: Den Einfall der Nacht, das langsame Sichhineindrehen der Welt in die Dunkelheit, glaubt der Erzähler nicht bloß zu sehen, sondern auch zu spüren (vgl. S, 97-99). – Stationsweg Den Haag: Genau ein Jahr vor diesem Abend in Southwold hatte der Erzähler vom holländischen Strand aus nach England geschaut, als er sich in Den Haag in einem der zweifelhaften Hotels am Stationsweg einquartiert hatte (vgl. S, 99-102). – Mauritshuis: In Den Haag besuchte der Erzähler das Mauritshuis, in dem er sich das Gruppenportrait „Die anatomische Vorlesung des Dr. Nicolaas Tulp“ anschaute, das bereits im ersten Kapitel diskutiert wurde (vgl. S, 102-104). – Scheveningen: In Diderots Reiseberichten über Holland wird der Weg von Den Haag zum Strand von Scheveningen als Promenade, die nirgendwo sonst ihresgleichen habe, beschrieben, was der Erzähler bei seiner einstigen Wanderung nur schwer nachvollziehen konnte (vgl. S, 104-106). – Grab des hl. Sebald: Der Erzähler berichtet, wie er in Amsterdam verschiedene Aufzeichnungen über seine beinahe abgeschlossene Reise machte, insbesondere über den Besuch seines Namenspatrons in Nürnberg (vgl. S, 106-110). – Flughafen Schiphol: Die damalige Reise endete mit dem Flug vom Amsterdamer Flughafen Schiphol nach Norwich (vgl. S, 110-112). – Unsichtbarkeit der Menschen: Der Ausblick vom Flugzeug machte auf den Erzähler den Eindruck, als gäbe es keine Menschen, als gäbe es nur das, was sie geschaffen haben (vgl. S, 112-114). – Sailors‘ Reading Room: In Southwold gibt es, so der Erzähler, ein kleines Häuschen oberhalb der Promenade, in dem der sogenannte Sailors‘ Reading Room untergebracht ist (vgl. S, 114-115). – Bilder aus dem ersten Krieg: Im Sailors‘ Reading Room wurde der Erzähler auf einen Foliant aufmerksam, bei dem es sich um eine photographische Geschichte des Ersten Weltkriegs handelte (vgl. S, 116-119). – Das Lager von Jasenovac an der Sava: Der Erzähler berichtet, dass er im Barrestaurant des Crown Hotels auf einen Artikel der Wochenendausgabe des Independent stieß, der von dem an der Sava gelegenen Konzentrationslager Jasenovac handelte (vgl. S, 119-123).

Fünfter Teil (vgl. S, 125-163)

Conrad und Casement: Am Abend des zweiten Tages nach seiner Ankunft in Southwold sieht der Erzähler im Fernsehen eine Dokumentation über Roger Casement, bei der er jedoch einschläft und sich nach dem Erwachen allein daran erinnert, dass der Schriftsteller Joseph Conrad Casement im Kongo kennengelernt habe (vgl. S, 125-127). – Der Knabe Teodor: Die verschlafene Dokumentation versucht der Erzähler im Folgenden aus den Quellen zu rekonstruieren: Am Ende des Sommers 1862 reiste Mme. Evelina Korzeniowska mit ihrem damals noch nicht ganz fünfjährigen Knaben Teodor Josef Konrad von Žitomir nach Warschau, um mit ihrem Gemahl Apollo Korzeniowski gegen die russische Tyrannei vorzugehen (vgl. S, 127-128). – Exil in Vologda: Ende Oktober wurde der Vater festgenommen und nach Vologda verbannt (vgl. S, 128). – Novofastov: Evelina Korzeniowska ist es aufgrund eines Gnadenverweises erlaubt, einen längeren Aufenthalt bei ihrem Bruder zu machen, muss aber nach Ablauf der zugestandenen Frist das Herrenhaus von Novofastov wieder verlassen und mit Konrad zurück ins Exil (vgl. S, 128-130). – Tod und Beisetzung Apollo Korzeniowskis: 1865 stirbt Evelina Korzeniowska im Exil und 1867, kurz vor Weihnachten, wird Apollo Korzeniowski aus dem Exil entlassen, stirbt jedoch im kommenden Frühjahr (vgl. S, 130-133). – See- und Liebesleben: Der verwaiste Konrad fasst den Plan, Seemann zu werden, überquert 1875 zum ersten Mal den Atlantischen Ozean, gerät in eine seltsam gemischte Gesellschaft und erliegt den Verführungen einer Dame, die unter dem Namen Rita bekannt war (vgl. S, 133-139). – Winterliche Heimkehr: Im Februar 1890, über fünfzehn Jahre nach dem Abschied auf dem Krakauer Bahnhof, kehrt Konrad erstmals nach Kazimierowska in das Haus seines Onkels Tadeusz zurück (vgl. S, 139-141). – Das Herz der Dunkelheit: Nach der Rückkehr von Kazimierowska geht Konrad nach Afrika, um das Kommando eines am Oberlauf des Kongo verkehrenden Dampfschiffes zu übernehmen, muss jedoch feststellen, um was für ein grausames Unterfangen es sich bei der Kolonialisierung des Kongos handelt, so dass er die Heimreise antritt (vgl. S, 141-148) – Panorama von Waterloo: Der Erzähler geht auf die makabre Atmosphäre gewisser Salons in Belgien ein, die von der Zeit der ungehemmten Ausbeutung der Kongokolonie zeugt (vgl. S, 148-150). Als Inbegriff belgischer Hässlichkeit gilt dem Erzähler das Löwenmonument und die sogenannte historische Gedenkstätte auf dem Schlachtfeld von Waterloo (vgl. S, 150-154). – Casement, die Sklavenwirtschaft und die irische Frage: Die Verbrechen, die an der Bevölkerung im Kongo begangen wurden, gelangten erstmals 1903 an die Öffentlichkeit, vermittelt durch Roger Casement, der auch in Südamerika Verhältnisse aufdeckte, die denen im Kongo glichen, was ihn in der Konsequenz auf die irische, d. h. auf seine eigene Frage stoßen ließ (vgl. S, 154-159). – Hochverratsprozess und Hinrichtung: Casement, der sich für die irische Bevölkerung einsetzte, wurde bei seinem Vorhaben jedoch festgenommen, des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet (vgl. S, 159-163).

Sechster Teil (vgl. S, 165-199)

Die Brücke von Blyth: Unweit der Küste zwischen Southwold und Walberswick führt eine schmale eiserne Brücke – die Bailey Bridge – über den Blyth, die 1875 für eine zwischen Halesworth und Southwold verkehrende Schmalspurbahn gebaut wurde, deren Wagons ursprünglich für den Kaiser von China bestimmt gewesen seien (vgl. S, 165-166). – Der chinesische Hofzug: In den unsicheren Quellen über diesen kaiserlichen Hofzug wird das kaiserliche Wappentier – ein Drachen – erwähnt, das unter der schwarzen Lackierung der Bahn zu erkennen gewesen sei, was den Erzähler zu der Bemerkung veranlasst, dass es von jeher eine Verbindung zwischen den Mythen über Drachen und der profanen Macht der chinesischen Herrscher gab (vgl. S, 166-168). – Aufstand der Taiping und Öffnung des Reiches der Mitte: In China war der höchste Grad der Ritualisierung kaiserlicher Macht und ihr höchster Grad der Aushöhlung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht, als das Reich von der Rebellion der Taiping erfasst wurde und mehr als zwanzig Millionen Menschen im Laufe von knapp fünfzehn Jahren ums Leben gebracht wurden (vgl. S, 168-170). Die Niederschlagung der Taipingrebellion wurde ermöglicht durch die sich in China befindenden britischen Armeekontingente, deren Präsenz auf den Ersten und Zweiten Opiumkrieg zurückging und China zu einer Öffnung zwang (vgl. S, 170-173). – Zerstörung des Gartens Yuan Ming Yuan: Im Zuge des Zweiten Opiumkrieges wurde u. a. der Zaubergarten Yuan Ming Yuan zerstört (vgl. S, 173-176). – Ende des Kaisers Hsien-feng: Am 22. August 1861 starb der Kaiser Hsien-feng im Exil von Jehol (vgl. S, 176-177). – Die Kaiserinwitwe Tz’u-hsi: Die Kaiserinwitwe Tz’u-hsi regierte das chinesische Reich, bis ihr Sohn T’ung-chih ins regierungsfähige Alter eintrat, der aber schon im Jahr 1875 starb (vgl. S, 177-179). – Geheimnisse der Macht: Nach dem Tod von T’ung-chih ernannte die Kaiserinwitwe Tz’u-hsi entgegen der Vorschriften ihren zweijährigen Neffen Kuang-hsu zum Thronfolger und wurde somit abermals Herrscherin über das Reich der Mitte (vgl. S, 179-185). – Die versunkene Stadt: Der Erzähler beendet seine Ausführungen über das China der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und beschreibt die Erosion der Küstenlinie bei Dunwich und das einhergehende Versinken dieser Stadt im Meer (vgl. S, 185-191). – Der arme Algernon: Zu den Schriftstellern, die Dunwich aufsuchten, gehörte Algernon Charles Swinburne, den der Erzähler im abschließenden Teil des sechsten Kapitels porträtiert (vgl. S, 192-199).

Siebter Teil (vgl. S, 201-228)

Die Heide von Dunwich: Nach einer Rast am Strand steigt der Erzähler zu der einsam über dem Meer gelegenen Heide von Dunwich hinauf und berichtet über die fortschreitende Zurückdrängung und Zerstörung der Wälder, über seine Irrgänge durch die Heide und über einen Traum, in dem er abermals durch die labyrinthartige Heide irrt (vgl. S, 201-208). – Marsh Acres, Middleton: Nach zweistündigen Irrgängen in der Heide erreicht der Erzähler die Ortschaft Middleton, wo er den Schriftsteller Michael Hamburger besuchen möchte. (vgl. S, 208-209). – Englisches Exil und Berliner Kindheit: Michael Hamburger, dessen verschwommene Erinnerungen an Berlin im Folgenden geschildert werden, kam 1933 als Neunjähriger zusammen mit seiner Familie von Berlin nach England (vgl. S, 210-216). – Träume, Wahlverwandtschaften, Korrespondenzen: In Michaels Haus gewinnt der Erzähler den Eindruck, als hätte er in diesem Haus einmal gelebt, und zwar in allem gerade so wie Michael (vgl. S, 216-220). – Zwei sonderbare Geschichten: Bei einer erneuten Lektüre der autobiographischen Aufzeichnungen Michaels, wird der Erzähler auf den Namen Stanley Kerry aufmerksam, der eines seiner ersten Bekanntschaften in Manchester war (vgl. S, 220-224). Der Erzähler berichtet weiter, wie im Gespräch mit Michael und Anne die Rede auf Mr. Squirrel kam, der Zeit seines Lebens nie etwas anderes als Trauer getragen habe und über keinerlei Gedächtnis verfüge (vgl. S, 224-226). – Durch den Regenwald: Als Anne dem Erzähler ein Taxi gerufen hat, erzählt sie ihm ihren Traum, den sie kurz zuvor in ihrem Nachmittagsschlaf geträumt hatte, in welchem sie in einer glänzenden Limousine durch den Regenwald fuhr (vgl. S, 226-228).

Achter Teil (vgl. S, 229-283)

Gespräch über den Zucker: Am Tag nach dem Besuch in Middleton trifft der Erzähler in der Bar des Crown Hotels in Southwold einen Holländer namens Cornelis de Jong mit dem er in ein Gespräch über den Zuckerrohranbau und den Zuckerhandel kommt (vgl. S, 229-231). – Boulge Park: Am nächsten Morgen fährt der Erzähler Richtung Woodbridge, um den verlassenen Park von Boulge zu besuchen, wo Edward FitzGerald zur Welt kam, über den im Folgenden die Rede sein wird (vgl. S, 231-233). – Die FitzGeralds: Das Familienvermögen der FitzGeralds galt als legendär, insbesondere war die Mutter von Edward – Mary Frances FitzGerald – eine der finanzkräftigsten Frauen des Königreiches (vgl. S, 233-235). – Kinderstube von Bredfield: Die Aufsicht über die Kinder fiel ganz der Gouvernante und dem Hauslehrer in Bredfield zu (vgl. S, 235-236). – Edward FitzGeralds literarischer Zeitvertreib: Meistenteils beschäftigte sich Edward FitzGerald mit Lektüre, mit dem Schreiben von Briefen, mit Notizen zu einem Lexikon der Gemeinplätze, mit dem Zusammentragen von Worten und Phrasen für ein Glossarium der Sprache der Seefahrt und des Seelebens sowie mit der Zusammenstellung von scrap-books (vgl. S, 237-238). – A Magic Shadow Show: Die einzige Arbeit, die FitzGerald zu seinen Lebzeiten selber ganz abgeschlossen und veröffentlicht hat, ist seine Übersetzung des Rubāiyat des persischen Dichters Omar Khayyām (vgl. S, 238). – Verlust eines Freundes: Im Jahr 1859 starb Edward FitzGeralds Freund William Browne (vgl. S, 238-240). – Ausgang der Jahre: Nach William Brownes Tod zog sich Edward FitzGerald immer mehr zurück und entwickelte ein zunehmend exzentrisches Leben (vgl. S, 240-244). – Letzte Reise, Sommerlandschaft, Tränen des Glücks: Im Juni 1883 machte sich Edward FitzGerald das letzte Mal auf die Reise nach Merton in Norfolk zu seinem Freund George Crabbe, wo ihm beim Anblick der Sommerlandschaft Tränen in die Augen stiegen und er am nächsten Morgen verstarb (vgl. S, 244-246). – Eine Partie Domino: Der Erzähler berichtet über einen Traum, in dem er Edward FitzGerald gegenüber sitzt und mit ihm eine Partie Domino spielt (vgl. S, 246-247). – Irische Erinnerung: In besagtem Traum befindet sich der Erzähler aber nicht im Boulge Park, sondern auf einem am Fuß der Slieve Bloom Mountains in Irland gelegenen Landsitzes, wo er vor einigen Jahren bei den Ashburys zu Gast war (vgl. S, 247-254). – Zur Geschichte des Bürgerkriegs: Der Erzähler berichtet, wie ihm damals Mrs. Ashbury ihre Versuche schilderte, sich ein Bild über den Bürgerkrieg in Irland und die irischen Verhältnisse zu machen (vgl. S, 255-256). – Feuerbrände, Verarmung und Zerfall: Ausführlich gibt der Erzähler wieder, was ihm Mrs. Ashbury damals sagte über das Niederbrennen der Herrenhäuser während des Bürgerkriegs und über die Verarmung und den Zerfall in den Jahren nach dem Bürgerkrieg (vgl. S, 256-263). – Catharina von Siena: Catherine, eine der drei Töchter von Mrs. Ashbury, glaubt der Erzähler im Jahr 1993 in Berlin auf einer Theaterbühne gesehen zu haben, oder doch ihr Ebenbild, Catharina von Siena (vgl. S, 263-264). – Fasanenkult und Unternehmertum: Der Erzähler geht auf den Fasanenkult, die Jagdgesellschaften, Raymond Quilter und das Unternehmertum ein, die die Gegend zwischen Woodbridge und Orford vor dem Ersten Weltkrieg stark geprägt haben (vgl. S, 264-271). – Durch die Wüste: Auf dem Weg von Woodbridge nach Orford gerät der Erzähler am Rande des Waldes von Rendelsham in einen Sandstorm (vgl. S, 271-273). – Geheime Vernichtungswaffen: Der Erzähler berichtet über die einstigen, in der Umgebung von Orford betriebenen, militärischen Forschungsstationen und die Gerüchte und Vermutungen, die über deren Geheimprojekte im Umgang waren (vgl. S, 274-278). – In einem anderen Land: Angezogen von der extraterritorialen Landzunge von Orford Ness, die von den Einheimischen meist nur mit „The Island“ bezeichnet wird, schildert der Erzähler seinen Rundgang auf dieser Insel, die ihm wie ein unentdecktes Land erscheint (vgl. S, 278-283).

Neunter Teil (vgl. S, 285-319)

Der Tempel von Jerusalem: Nach dem Aufenthalt in Orford fährt der Erzähler nach Yoxford, von wo aus er auf der ehemaligen Römerstraße zur Moat Farm geht, um Alec Garrard zu besuchen, der seit gut zwei Jahrzehnten an einem Modell des Tempels von Jerusalem baut (vgl. S, 285-295). – Charlotte Ives und der Vicomte de Chateaubriand: Von Harleston aus geht der Erzähler durch einen Landstrich, der von seinen Bewohnern als The Saints bezeichnet wird, um die Kirche von Ilketshall St. Margaret aufzusuchen (vgl. S, 295-297). Einer der Pfarrherren von Ilketshall St. Margaret war der Reverend Ives gewesen, der in der nahe gelegenen Stadt Bungay lebte, wo sich seine Tochter Charlotte Ives und der Vicomte de Chateaubriand kennenlernten und ineinander verliebten (vgl. S, 297-299). – Memoiren von jenseits des Grabs: In seinem Buch „Mémoires d’outre-tombe“ schildert der Vicomte u. a. die unerfüllte Liebe zwischen ihm und Charlotte Ives und das kurze Wiedersehen nach siebenundzwanzig Jahren, als Charlotte bereits den Admiral Sutton geheiratet hatte (vgl. S, 299-307). – Auf dem Kirchhof von Ditchingham: Von Ilketshall St. Margaret geht der Erzähler nach Bungay hinein und von dort über die Marschwiesen des Waveney-Tals bis auf die andere Seite nach Ditchingham, wo er auf dem dortigen Kirchhof u. a. das Grab von einem der beiden Söhne Charlotte Ives besucht (vgl. S, 307-310). – Ditchingham Park: Von Ditchingham wandert der Erzähler Richtung Norwich durch den Park von Ditchingham bis zur Mermaid in Hedenham, wo er sich von Clara abholen lassen will (vgl. S, 310-315). – Der Orkan vom 16. Oktober 1987: Der Erzähler beschreibt den Westeuropa-Orkan, der im Oktober 1987 über das Land hinweg ging und dem über vierzehn Millionen Bäume zum Opfer fielen (vgl. S, 315-319).

Zehnter Teil (vgl. S, 321-351)

Thomas Brownes Musaeum Clausum: Der Erzähler geht auf den Musaeum Clausum von Thomas Browne ein, bei dem es sich um einen Katalog merkwürdiger Bücher, Bildnisse, Antiquitäten und sonstiger abenteuerlicher Dinge handelt (vgl. S, 321-324). – Der Seidenvogel Bombyx mori: Zu den Seltsamkeiten, die in dem Register des Naturforschers und Arztes Thomas Browne erwähnt werden, gehört ein Bambusrohr, in dessen Inwendigem einst zwei persische Mönche die ersten Eier der Seidenraupe von China in den westlichen Weltteil brachten (vgl. S, 324). Die Raupe des Bombyx mori wird im Folgenden vom Erzähler genauer beschrieben (vgl. S, 324-327). – Ursprung und Ausbreitung des Seidenbaus: Ausführlich schildert der Erzähler den Ursprung und die Ausbreitung des Seidenbaus von China über den griechischen Hof, die Inseln der Ägäis, über Sizilien, Neapel, den Norden Italiens bis nach Frankreich und England (vgl. S, 327-332). – Die Seidenweber von Norwich: Durch Jakob I. wurden in England in den eher regenarmen ostenglischen Grafschaften weit über hundertausend Maulbeerbäume angepflanzt, womit er die Grundlage eines bedeutsamen Manufakturwesens schuf, das zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts in seine Blütezeit eintrat und in Norwich dazu führte, dass hugenottische Flüchtlinge, von denen zahlreiche mit dem Seidenbau vertraut waren, zu einer einflussreichen Unternehmerklasse aufstiegen (vgl. S, 332-333). – Gemütskrankheiten der Weber: Der Erzähler macht auf den besonderen Zusammenhang zwischen den in Maschinen eingespannten Arbeiten der Weber und der Melancholie aufmerksam, zu welcher diese Arbeiter stark neigen (vgl. S, 333-335). – Stoffmuster: Natur und Kunst: Zur Kehrseite der Geisteserkrankung der Weber gehöre aber auch, so der Erzähler, dass die in Norwich in den Jahrzehnten vor dem Ausbrechen der industriellen Revolution hergestellten Stoffe von einer mit Worten kaum zu beschreibenden Schönheit waren, ganz als seien sie hervorgebracht worden von der Natur selber (vgl. S, 335-338). – Der Seidenbau in Deutschland: Auch in dem damaligen, eher rückständigen Deutschland, so fährt der Erzähler fort, wurden die größten Anstrengungen zum Emporbringen des Seidenbaus unternommen, der aber schon vor seiner völligen Entfaltung wieder zum Erliegen kam, weil er in völlig despotischer Weise von den deutschen Landesherren vorangebracht werden wollte (vgl. S, 338-345). – Das Tötungsgeschäft: Bei der Recherche nach dem im dritten Kapitel erwähnten Unterrichtsfilm über die Heringsfischerei stößt der Erzähler auf einen für dieselbe Serie gemachten Streifen über den deutschen Seidenbau, in dem unter anderen zu sehen ist, dass die Abtötung der Kokons über einem beständig am Sieden gehaltenen Waschkessel erfolgt (vgl. S, 345-348). – Trauerseide: Mit Bezug auf den Tod von Claras Vater am 13. April 1995 beendet der Erzähler seine beinahe nur aus Kalamitäten bestehende Geschichte mit einer Bemerkung über Trauerseide (vgl. S, 348-351).

Literatur

  • Sebald, W. G.: Die Ringe des Saturn: Eine englische Wallfahrt, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 12. Auflage, 2012 [S].

Weiterführende Literatur:

  • Albes, Claudia: Die Erkundung der Leere: Anmerkungen zu W. G. Sebalds ‚englischer Wallfahrt‘ Die Ringe des Saturn, in: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft, 46, 2002.
  • Blackler, Deane: Reading W. G. Sebald: Adventure and Disobedience, Rochester (New York): Camden House, 2007.
  • Catling, Jo / Hibbit, Richard (Hrsg.): Saturn’s Moons: W. G. Sebald – A Handbook, London: Legenda, 2011. Anmerkung: Dieses Buch enthält die bisher umfassendste Bibliografie zu W. G. Sebald.
  • Denham, Scott / McCulloh, Mark (Hrsg.): W. G. Sebald: History, Memory, Trauma, Berlin: Walter de Gruyter, 2006.
  • Fuchs, Anne: Die Schmerzensspuren der Geschichte: Zur Poetik der Erinnerung in W. G. Sebalds Prosa, Köln: Böhlau Verlag, 2004.
  • Heidelberger-Leonard, Irene / Tabah, Mireille (Hrsg.): W. G. Sebald: Intertextualität und Topographie, Wien, Berlin: Lit Verlag, 2008.
  • Hutchinson, Ben: W. G. Sebald – Die dialektische Imagination, Berlin: Walter de Gruyter, 2009.
  • Long, Jonathan James: W. G. Sebald – Image, Archive, Modernity, Edinburgh: Edinburgh University Press, 2007.
  • Long, Jonathan James: The Sense of Sebald’s Endings … and Beginnings, in: Digressions in European Literature: From Cervantes to Sebald, hrsg. von Alexis Grohmann und Caragh Wells, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2011.
  • Long, Jonathan James / Whitehead, Anne (Hrsg.): W. G. Sebald – A Critical Companion, Edinburgh: Edinburgh University Press, 2006.
  • McCulloh, Mark: Understanding W. G. Sebald, Columbia (South Carolina): University of South Caroline Press, 2003.
  • Öhlschläger, Claudia / Niehaus, Michael (Hrsg.): W. G. Sebald-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart: J. B. Metzler, 2017.
  • Schulte, Christian / Siebers, Winfried (Hrsg.): Figuren der Erinnerung: Studien zum Werk W. G. Sebalds, Wien, Berlin: Lit Verlag, 2013.
  • Schütte, Uwe: W. G. Sebald, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011.
  • Wolff, Lynn L.: W. G. Sebald’s Hybrid Poetics: Literature as Historiography, Berlin: Walter de Gruyter, 2014.